Kurgast: Aufzeichnungen von einer Badener Kur by Hermann Hesse

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Hesse, Hermann, 1877-1962 Hesse, Hermann, 1877-1962
German
Ever feel like you need to hit pause on your entire life? In 1923, Hermann Hesse did exactly that. 'Kurgast' is his surprisingly funny and deeply honest diary from a health spa in Baden, Switzerland. While his body is supposed to be healing with water treatments and rest, his mind is racing. He's annoyed by the other guests, skeptical of the doctors, and wrestling with his own restless spirit. It's less about a physical cure and more about the messy, brilliant, and often hilarious process of trying to find peace when you're your own biggest obstacle. Think of it as a 100-year-old wellness retreat vlog, written by a Nobel Prize winner.
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begabt sie sind, sich recht selten schon bei Vierzigjährigen finden. Wenn man dagegen über die Mitte der Vierzig hinweg ist, man sei begabt oder nicht, dann stellt sich jene Weisheit oder Mentalität des Alterns ganz von selber ein, namentlich wenn noch das anhebende leibliche Altern mit allerlei Mahnungen und Beschwerden nachhilft. Zu den häufigsten dieser Beschwerden nun gehören Gicht, Rheumatismen und Ischias, und eben diese Leiden sind es, welche uns Badegäste hierher nach Baden führen. Das Milieu ist also jener Art von Mentalität, in welche auch ich jetzt eingetreten bin, überaus günstig, und man gerät, so scheint mir, hier ganz von selber, vom _genius loci_ geleitet, in eine gewisse skeptische Frömmigkeit, einfältige Weisheit, in eine sehr differenzierte Vereinfachungskunst, einen sehr intelligenten Anti-Intellektualismus hinein, der ebenso wie die Wärme der Bäder und der Geruch des Schwefelwassers als ein Spezifikum mit zu Baden gehört. Oder, kürzer gesagt: Wir Kurgäste und Gichtiker sind ganz besonders darauf angewiesen, das eckige Leben so rund wie möglich zu nehmen, fünfe gerade sein zu lassen, uns keine großen Illusionen zu machen, aber dafür hundert kleine sanfte Illusionen zu schonen und zu pflegen. Wir Kurgäste in Baden haben, wenn ich nicht irre, jenes Wissen um die Antinomien besonders nötig, und je steifer unsre Gebeine werden, desto dringender bedürfen wir einer elastischen, zweiseitigen, bipolaren Denkart. Unsre Leiden sind Leiden, aber sie sind nicht von jener heroischen und dekorativen Art von Leiden, welche der Leidende ohne Einbuße an unsrer Achtung für weltwichtig nehmen darf. Wenn ich so rede, wenn ich meine persönliche Alters- und Ischiatiker-Denkart zu einem Typus, zu einer allgemeinen Norm erhebe, wenn ich so tue, als spräche ich hier nicht einzig in meinem Namen, sondern im Namen einer ganzen Menschenklasse und Altersstufe, so ist mir dabei, wenigstens für Augenblicke, wohl bewußt, daß dies ein starker Irrtum ist und daß kein einziger Psychologe (er sei denn seelisch mein Bruder und Zwilling) mein geistiges Reagieren auf Umwelt und Schicksal als normal, als typisch anerkennen würde. Vielmehr würde er mich nach kurzem Beklopfen leicht als einen leidlich begabten, nicht internierungsbedürftigen Einzelgänger aus der Familie der Schizophrenen erkennen. Ich mache indessen ruhig vom Gewohnheitsrecht aller Menschen, auch der Psychologen, Gebrauch und projiziere nicht nur in die Menschen, sondern sogar in die Dinge und Einrichtungen meiner Umgebung, ja, in die ganze Welt meine Denkart, mein Temperament, meine Freuden und Leiden hinein. Meine Gedanken und Gefühle für „richtig“, für berechtigt zu halten, diesen Genuß lasse ich mir nicht rauben, obwohl die Umwelt mich stündlich vom Gegenteil zu überzeugen sucht, ja, ich mache mir nichts daraus, die Majorität gegen mich zu haben, ich gebe eher ihr unrecht als mir. Damit halte ich es wie mit meinem Urteil über die großen deutschen Dichter, welche ich darum nicht minder verehre, liebe und brauche, weil die große Mehrzahl der lebenden Deutschen das Gegenteil tut und die Raketen den Sternen vorzieht. Raketen sind hübsch, Raketen sind entzückend, sie sollen hochleben! Aber Sterne! aber ein Auge und Gedanke voll ihrer stillen Lichter, voll ihrer weit schwingenden Weltmusik – o Freunde, das ist doch noch anders! Und indem ich später kleiner Dichter es unternehme, die Skizze eines Badeaufenthaltes zu entwerfen, denke ich an viele Dutzende von Badereisen und Baden-Fahrten, welche von guten und von schlechten Autoren geschrieben worden sind, und denke entzückt und verehrend an den Stern unter all den Raketen, an das Goldstück unter all dem Papiergeld, an den Paradiesvogel unter all den Sperlingen, an die Badereise des Doktors Katzenberger, lasse mich indessen durch diesen Gedanken nicht hindern, dem Stern meine Rakete, dem Paradiesvogel meinen Spatzen nachsteigen zu lassen. Fliege denn, mein Spatz! Steige, mein kleiner Papierdrache! „Kurgast“ Der erste...

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In 1923, a burned-out and unwell Hermann Hesse checked into a sanatorium in Baden, Switzerland, for a traditional 'Kur'—a restorative health cure involving baths, diets, and strict routines. 'Kurgast' is the diary he kept there. But don't expect a dry log of water temperatures. This is a vibrant, inward-looking account of a brilliant mind forced into idleness.

The Story

The book follows Hesse's day-to-day experiences as a 'spa guest.' We see him observe the other patients with a novelist's eye, from the hypochondriacs to the quietly suffering. He submits to the strange rituals of the cure, all while his inner critic is loudly dissecting everything. The real plot isn't about healing his body; it's the internal battle between his desire for peace and his inherent skepticism and artistic turbulence. The spa becomes a stage where his own philosophies about life, art, and the self clash with the simple goal of 'getting better.'

Why You Should Read It

I loved this book for its raw honesty and unexpected humor. Hesse is famously deep, but here he's also witty and impatient. You get the sense of a real person, not just a literary icon. It’s a brilliant look at the universal struggle to quiet our minds. In our age of mindfulness apps and digital detoxes, Hesse's century-old struggle feels incredibly fresh. He asks: Can we ever truly escape ourselves, even in a place designed for escape?

Final Verdict

This is perfect for anyone who enjoys literary diaries, fans of Hesse's novels wanting to see the man behind the stories, or readers curious about the timeless human quest for balance. If you've ever felt like you needed a break from your own thoughts, you'll find a kindred spirit in this 'Kurgast.' It's a short, sharp, and deeply personal glimpse into the art of being uncomfortably still.



📜 No Rights Reserved

This masterpiece is free from copyright limitations. You are welcome to share this with anyone.

Sarah Walker
5 months ago

I came across this while researching and the author avoids unnecessary jargon, which is refreshing. It was exactly what I needed right no.

Melissa Young
1 month ago

I was genuinely impressed since the author demonstrates strong mastery of the topic. This book will stay with me for a long time.

James Allen
2 months ago

After finishing this book, the material feels polished and professionally edited. A perfect companion for a quiet weekend.

Liam Carter
4 months ago

From a technical perspective, the author avoids unnecessary jargon, which is refreshing. I couldn't put it down until the very end.

5
5 out of 5 (4 User reviews )

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