Der Spielmann: Roman aus der Gegenwart by Friedrich Lienhard

(5 User reviews)   1067
Lienhard, Friedrich, 1865-1929 Lienhard, Friedrich, 1865-1929
German
Ever felt torn between your creative passion and the practical demands of life? That's the heart of 'Der Spielmann' by Friedrich Lienhard. It's a German novel from the early 1900s that follows a musician, a 'Spielmann,' struggling to find his place. He's caught between his artistic dreams and the need to make a living in a rapidly changing world. It's not a flashy adventure, but a quiet, thoughtful look at an artist's soul. If you've ever wondered about the price of staying true to your art, this book feels surprisingly modern. It's a slow, character-driven journey that asks big questions about purpose and compromise.
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dort und hier auf länglichem Halse ein dunkelbraunes Köpfchen wuchs. Die Ältere, auf einem Feldstuhl sitzend und über eine Stickerei gebeugt, war von ganz besonders bestrickender Schönheit. Wenn sie die enzianblauen Augen unter schweren Wimpern langsam aufschlug, ging ein Leuchten über die Umgebung. Alle Dinge wurden in dieser Beleuchtung schöner, alle Menschen gütiger. Es waren große, schüchterne, vielleicht nicht sehr kluge Augen, vom weiten Bogen der bräunlichen Brauen madonnenhaft umrahmt. Das Mädchen war hoch und schlank. Und schön waren auch die Nüstern des feinen Näschens, die bei gedämpftem Lachen mitzulächeln schienen; schön das sanft gerundete Kinn; schön der schmale und doch volle, kirschrote, meist ein wenig geöffnete Mund. Sie glich in ihrer gesunden und natürlichen Jungfräulichkeit den Madonnen Raffaels und mochte Maler und Dichter entzücken. Denn ein Künstler spürte in diesem Mädchen zwar weder Gelehrsamkeit noch gesellschaftliche Gewandtheit, wohl aber das Lebensgeheimnis einer starken und sittsamen Weiblichkeit, gesunde Kinder zu schaffen fähig, keine Bücher. Unfern von den jungen Damen lag eine kannelierte Marmorsäule zwischen zerstreuten Blöcken. Vermutlich hatte man dort bauen wollen; aber der Baumeister hatte sich in die entzückende Landschaft verliebt und das Bauen vergessen. Angesichts des blauen Meeres, zwischen Zypressen und Oliven, hätte sich ein weißer Tempel wirksam ausgenommen, der Sonne geweiht, der Schönheit heilig. Jedoch der Tempel war noch unsichtbar, der Sonnenanbeter desgleichen; und dem Baumeister drohte abermals Gefahr des Verliebens durch diese beiden ungewöhnlich schönen Mädchen. Sie plauderten französisch. Aus ihrem Gespräch ging hervor, daß die Mutter der Älteren ihren Nachmittagsschlaf auszudehnen pflegte, so daß die beiden Schönheiten abseits von der gemieteten Villa auf diesem Aussichtsplatz verweilen konnten. Der jüngere Backfisch lag ausgestreckt im weichen Grase, stützte die braunen Wangen in die Hände und las. Mädchenhüte flimmerten strohgelb aus grünem Rasen. Und es war anmutige Stille um die beiden Gestalten; selbst der Mittagswind spielte nur lässig in Gras und Laub. Von Zeit zu Zeit sprang die Kleine auf, griff in das Blätterwerk empor und suchte sich frühreife Kirschen heraus; oft auch hob sie lachend ihr spitzes Mäulchen an den freundlich herabgeneigten Baum und naschte die Früchte gleich vom Ast weg. Dann hängte sie sich ein Kirschenpaar über jede Ohrmuschel, kaute, spuckte Kerne an die Marmorsäule und las vergnüglich weiter. Aus der Ferne funkelte in gleichmäßiger Ruhe das tiefblaue Mittelmeer. Häufig lachte die Lesende hell hinaus und strampelte vor Vergnügen mit den gelben Schuhen. „Sag' doch, Martha, kann es etwas Lustigeres geben als diese verrückten Briefe Mozarts?” rief sie. „Hör' einmal zu!” Und sie las in geläufigem Deutsch flink herunter: „Allerliebstes Bäsle, Häsle! Ich habe dero mir so wertes Schreiben richtig erhalten -- falten -- und daraus ersehen -- drehen -- daß der Herr Vetter -- Retter -- und die Frau Bas -- Has -- und Sie -- wie recht wohl auf sind -- Rind; wir sind auch Gott sei Dank recht gesund -- Hund” -- -- sie brach lachend ab. „So geht's nun immerzu weiter!” fuhr sie französisch fort. „Jedem dritten Wort hängt er irgendeinen albernen Reim an, der gar keinen Sinn hat, nur aus Necklust. Oh, ich liebe Mozart schrecklich! Die Leute von damals waren lustiger, leichter, eleganter und amüsanter -- verstehst du das, Martha? Sie schlugen Purzelbaum, sie tanzten Menuett, sie liebten, küßten sich und waren doch nicht gemein, denn sie hatten mehr Poesie im Leibe! Verstehst du das, Martha?” Martha lächelte, stickte und schwieg. „~Mais allons donc!~” zürnte die kleine Elsässerin. „Do sitzt se un sagt nix!” Sie sprang auf, hob das spitze Näschen in die Luft und witterte die blühenden Riviera-Hügel hinunter, wo auf allen Hängen zwischen weißen Landhäusern steile, dunkle Zypressen, silbergraue Olivenbäume und spitzblättrige Gartenpalmen die Landschaft festlich stimmten. Ihre...

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Have you ever picked up a book that feels like a conversation with another time? That's what reading Friedrich Lienhard's Der Spielmann is like. Published in the early 20th century, it's a novel that captures a specific moment in German life, seen through the eyes of an artist.

The Story

The book follows a musician—the 'Spielmann' of the title. He's not a famous composer, but a working artist trying to navigate his world. We see him grapple with his craft, his relationships, and his place in society. The plot moves at a reflective pace, focusing on his internal conflicts and choices rather than grand external events. It's a portrait of a man at a crossroads, painted with the detailed brushstrokes of its era.

Why You Should Read It

What struck me was how familiar the central struggle feels. The Spielmann's battle between artistic integrity and practical survival is timeless. Lienhard writes about creativity with a quiet intensity. You get a real sense of the character's hopes and frustrations. Reading it is like uncovering a piece of forgotten history that still has something to say to us today about following a calling.

Final Verdict

This book is perfect for readers who love character studies and historical atmosphere. If you enjoy novels that explore the inner life of an artist, or if you're curious about pre-WWI German literature and culture, you'll find a lot here. It's not a fast-paced thriller, but a thoughtful, immersive read for a quiet afternoon. Think of it as a window into a vanished world, with a protagonist whose dilemmas haven't vanished at all.



🏛️ Open Access

There are no legal restrictions on this material. Thank you for supporting open literature.

Michelle Clark
3 months ago

My professor recommended this and the author anticipates common questions and addresses them well. A solid resource I will return to often.

Aiden Thomas
2 months ago

From a technical perspective, the author demonstrates strong mastery of the topic. Truly inspiring.

Joseph Robinson
1 month ago

I picked this up late one night and it serves as a poignant reminder of the human condition. I finished this feeling genuinely satisfied.

Sarah Thompson
2 months ago

After completing the first chapter, the storytelling feels authentic and emotionally grounded. I will be reading more from this author.

Mason Nguyen
3 months ago

Given the topic, the depth of research presented here is truly commendable. I'm sending the link to all my friends.

4.5
4.5 out of 5 (5 User reviews )

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